Schlachtrinderpreise in Baden-Württemberg

Saisonale Nachfrageschwäche belastet insbesondere den Schlachtkuhmarkt

Der Schlachtrindermarkt zeigt sich derzeit insgesamt ruhig. Während sich der Jungbullenmarkt nach den deutlichen Preisrückgängen der vergangenen Wochen zunehmend auf einem niedrigeren Niveau einpendelt, steht der Schlachtkuhmarkt weiterhin unter erheblichem Druck. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem die saisonal schwache Nachfrage nach Rindfleisch während der Sommerzeit.
Am Jungbullenmarkt stehen nach wie vor nur überschaubare Stückzahlen zur Verfügung. Auch Färsen bleiben knapp. Das vorhandene Angebot reicht jedoch aus, um die aktuell ebenfalls geringe Nachfrage der Schlachtunternehmen zu decken. Entsprechend präsentiert sich der Markt weitgehend ausgeglichen. Nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer dürften sich die Jungbullenpreise in den kommenden Wochen im Bereich von 5,90 bis 6,00 €/kg Schlachtgewicht einpendeln. Damit scheint nach den außergewöhnlichen Preisschwankungen der vergangenen Monate zunächst wieder mehr Ruhe in den Markt einzukehren. In KW 30 lagen im Südwesten die Jungbullenpreise bei 5,91 €/kg SG (E-P).
Deutlich angespannter stellt sich die Situation am Schlachtkuhmarkt dar. Obwohl die Nachfrage nach Schlachtkühen in den vergangenen Wochen weiter nachgelassen hat, gelangen derzeit vermehrt Tiere an den Markt. In zahlreichen Betrieben macht sich die anhaltende Trockenheit bemerkbar, sodass knapper werdende Futtervorräte zusätzliche Kühe auf den Markt bringen. Gleichzeitig ist der Bedarf der verarbeitenden Industrie gering. Insbesondere Fast-Food-Unternehmen, die zu den wichtigsten Abnehmern von Hackfleisch zählen, fragen in der Ferienzeit deutlich weniger Ware nach. Marktteilnehmer rechnen daher mit weiteren deutlichen Preisrückgängen. In KW 30 wurden im Südwesten Schlachtkühe mit 5,27 €/kg SG (E-P) gehandelt, Färsen erzielten 5,78 €/kg SG (E-P).
Auch im Rindfleischhandel fehlen derzeit die Impulse. Der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel sowie in der Gastronomie bleibt ferienbedingt verhalten, sodass überwiegend nur bedarfsgerecht eingekauft wird. Um die verfügbaren Mengen abzusetzen, versuchen die Schlachtunternehmen verstärkt Exportmöglichkeiten zu nutzen. Anders als im Vorjahr sind die Kühlhäuser nach Aussagen aus der Branche derzeit deutlich besser gefüllt. Dadurch kann das aktuell größere Angebot weniger gut aufgefangen werden, was den Preisdruck zusätzlich verstärkt.
Die derzeitige Marktentwicklung entspricht damit wieder stärker den früher üblichen saisonalen Preisverläufen. Nach mehreren Jahren nahezu kontinuierlich steigender Rinderpreise führen die schwächere Sommernachfrage und das höhere Angebot wieder zu den für diese Jahreszeit typischen Preisabschlägen. Viele Marktteilnehmer gehen jedoch davon aus, dass sich die Nachfrage mit dem Ende der Sommerferien schrittweise beleben wird. Erste Impulse werden ab Ende August erwartet, in Süddeutschland dürfte sich dies vor allem im Laufe des Septembers bemerkbar machen.
Trotz der aktuell schwierigen Stimmung am Schlachtkuhmarkt bewegt sich das Preisniveau insgesamt weiterhin auf einem im langjährigen Vergleich guten Niveau. Im Gegensatz zu anderen Tierhaltungsbereichen, insbesondere dem derzeit stark unter Druck stehenden Schlachtschweinemarkt, können die Erlöse am Rindermarkt insgesamt noch als vergleichsweise zufriedenstellend bewertet werden. Langfristig bleibt das Angebot an Schlachtrindern aufgrund rückläufiger Rinderbestände begrenzt, sodass nach dem Ende der saisonalen Nachfrageschwäche wieder freundlichere Marktverhältnisse erwartet werden.

© Moritz Bühler, LEL Schwäbisch Gmünd

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