Die Milchanlieferung in Deutschland war im Juni weiter auf sehr hohem Niveau. Die Menge lag nach wie vor weit über dem
Vorjahresniveau. Dann begann der saisontypische Abwärtstrend. Dieser wurde Mitte Mai nochmal ganz kurz unterbrochen. Ab dann gingen
die Mengen stetig zurück.
In der ersten Hitzeperiode ging die Milchmengen sehr stark zurück. In der 27. Kalenderwoche erfassten die Molkereien nach Berechnungen
der ZMB rund 3,6 % weiniger Milch als in der Vorwoche. In den letzten Wochen war die Milchmenge wieder saisontypisch mit einer leicht
abnehmenden Tendenz. So ergibt sich im Verlauf der ersten 29 Kalenderwochen insgesamt ein Plus von 5,7 %. Der Milchmarkt ist nach wie
vor von einem hohen Rohstoffaufkommen geprägt. Trotzdem konnte sich der Markt stabilisieren. Der starke Rückgang Ende letzten
Jahres war weit ins Jahr 2026 zu spüren. Die geringen Preise sorgten jedoch dafür, dass sich die Nachfrage belebte. Jedoch sorgt
momentan die Ferienzeit für ein ruhiges Marktgeschehen.
Die USA hat die Milchproduktion weiterhin ausgebaut. Von Januar bis Mai haben sie 2,8 % mehr Milch produziert als im Vorjahr. Dies ist
auch durch den Anstieg des Milchkuhbestandes in den USA begründet. Insgesamt werden in den USA 9,7 Mio. Tiere gehalten. Die
vermehrte Produktion ist auch im Export erkennbar. So exportierte die USA 90,7 % mehr Butter, als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.
Auch Molkepulver hat einen deutlichen Anstieg von 24,1 % erfahren. Der größten mengenmäßigen Zuwachs verzeichnete
der Käsebereich mit 23,7 % was 57.000 t entspricht.
Auch Neuseeland hat in den ersten Monaten dieses Jahres 5,4 % mehr Milch erzeugt. Insgesamt wurden in den ersten fünf Monaten in
nahezu allen Ländern der Welt mehr Milch erzeugt als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.
Auch in der EU haben die Anlieferungen in den letzten fünf Monaten die Vorjahreslinie überstiegen. Es wurde von Januar bis Mai in
der EU 3,8 % mehr Milch produziert. In allen großen Erzeugerländern wurde mehr Milch angeliefert. Die größten
Milchproduzenten produzierten deutlich über Vorjahresniveau. In Deutschland wurde insgesamt 6,6 % mehr Milch angeliefert, was den
größten Zuwachs ausmachte.
Die Exporte von Milchprodukten aus der EU nahmen im Vergleich zum Vorjahr zu (+4,5 %). Die meisten Zuwächse konnte Butter
verzeichnen, es wurde von Januar bis Mai 37 % mehr exportiert. Hauptabnehmer waren die USA, die Türkei, Ägypten und Marokko.
Auch Magermilchpulver konnte vermehrt exportiert werden. Hier beliefen sich die Zuwächse auf 11 % im Vergleich zum Vorjahr. Fat
Filled Milk Powder hat eine Steigerung von 3 % erfahren. Vollmilchpulver wurde in fast gleichem Umfang wie im Vorjahr exportiert
(+2 %).
Auch Käse wurde um 4 % mehr exportiert. Käse ist nach wie vor das bedeutendste Exportprodukt der EU. Hauptabnehmer sind vor
allem Japan und das Vereinigte Königreich. Rückläufig waren Molkenpulver mit -6 % und Babynahrung mit -1 %
gegenüber dem Vorjahresniveau. Hier wirkte sich der verringerte Handel mit China aus. Magermilchpulver der EU war am Weltmarkt sehr
gefragt (+11 %).
In der aktuellen Viehzählung vom 3. Mai 2026 wurden in Deutschland rund 10,4 Mio. Rinder (3,6 Mio. Milchkühe)
gehalten. Der Milchkuhbestand ging von der letzten Zählung (November 2025) leicht um 0,2 % zurück (-7.900 Tiere).
Im Vergleich zum Mai 2025 stieg die Anzahl leicht um 0,3 % (+10.400 Tiere). Insgesamt blieb der Bestand an Milchkühen somit
nahezu stabil. Innerhalb der letzten Zehn Jahre nahm der Milchkuhbestand jedoch um 16,0 % ab (-683.300 Tiere).
Die überwiegend gute Grundfutterversorgung in Deutschland durch die guten Wachstumsbedingungen von 2025, mit dem milden Sommer und der
ausbleibenden Hitzewelle und damit einhergehend ausreichend zur Verfügung stehendem Futter, trugen dazu bei, dass wir immer noch sehr
viel Milch und der Jahreszeit entsprechend gute Inhaltstoffe haben. Lediglich durch die Hitze im Juni ist die Milchanlieferung für
kurze Zeit zurück gegangen. Im Juli ist die Milchanlieferung wieder deutlich gestiegen
Der Preiskampf des LEHs, der Mitte September 2025 begonnen hatte, wirkt bis heute nach. Ende April 2026 wurde der Butterpreis auf
1,05 €/250 g-Päckchen gesenkt und bis heute nicht angehoben. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Butterpreis
94 Ct/250 g-Päckchen geringer.
Die Rohstoffpreise zeigten sich in uneinheitlich. Es stand ab Mitte Juli wieder mehr Milch zur Verfügung. Die Eiweißseite
verzeichnet einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Mai. MMP konnte die Preise nicht halten. Die Preise für Fett haben sich
hingegen stabilisiert.
Der Buttermarkt ist saisonbedingt ruhig. Grund hierfür ist unter anderem die Ferienzeit, die die Nachfrage zurück gehen
lässt. Dennoch konnte sich der Preis auf dem niedrigen Niveau halten. So zeigte sich der Preis für abgepackte Butter
überwiegend stabil. Die Notierung an der Kemptener Butterbörse lagen bei 4,20 €/kg Fett. An der European Energy Exchange
(EEX) in Leipzig zeigte sich im Juli der Preis fester. Insgesamt wurden in der letzten Woche mehr Kontrakte gehandelt.
Der Markt für Blockbutter hat sich im Vergleich zum Mai belebt. Es wird von höherem Kaufinteresse berichtet. Das Angebot ist nach
wie vor ausreichend. Die Notierung für Blockbutter wurde in einer Spanne von 3,95 bis 4,05 €/kg leicht angehoben.
Die Preise am Eiweißmarkt sind im Juni zurück gegangen. In den letzten drei Wochen konnte sich der Preis wieder stabilisieren.
Magermilchpulver in Lebensmittelqualität kostet derzeit 2,85 €/kg (-0,12 €/kg im Mai). Auch Molkenpulver in
Lebensmittelqualität wird wieder reger nachgefragt. Kurzfristig konnte durch die geringere Käseproduktion weniger Molke
produziert werden. Molkenpulver wird in KW 30 nun in einer Spanne von 1,83 bis 2,01 €/t gehandelt (alles
Lebensmittelware).
Der Käsemarkt präsentierte sich wieder nach kurzem Rückgang der Preise in KW 26 stabil. Die Nachfrage aus dem
Lebensmitteleinzelhandel war auf hohem Niveau und auch der Großverbraucherbereich orderte kontinuierlich Ware. Zusätzlich
entwickelte sich das Exportgeschäft weiterhin rege, da der deutsche Käsepreis dem Weltmarktniveau entspricht. Die Käsereien
konnten aufgrund der kurzfristigen rückläufigen Milchmengen eingeschränkt produzieren. Gleichzeitig sorgte die lebhafte
Nachfrage dafür, dass die Lagerbestände abnahmen. Die Preise tendierten stabil. Die Notierungskommission in Hannover setzte die
Spanne für Blockware bei 3,20 bis 3,40 €/kg (-0,25 €/kg im Vergleich zum Mai) fest, Brotware wurde mit 3,25 bis
3,55 €/kg bewertet.
Der aus den Butter- und MMP-Preisen abgeleitete Kieler Rohstoffwert befand sich im April bei 39,2 Ct/kg. Seitdem ist er wieder leicht
gesunken. Im Juni lag der Rohstoffwert bei 37,3 Ct/kg.
Aktuell gehen die Marktexperten davon aus, dass sich die Erzeugerpreise für konventionelle Milch stabilisieren. Die Preise bewegen
sich seitwärts. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Preis leicht um 0,1 Ct/kg und lag im Juni somit bei 37,9 Ct/kg Milch.
Auch der Spotmarkt hat in den letzten Monaten eine deutliche Preissteigerung erfahren. So war der Preis in KW 20 noch bei 18,2 Ct/kg.
Aktuell ist er in KW 30 bei 34 Ct/kg (-1,8 Ct zur Vorwoche).
Der GDT-Index ist am 21. Juli um 1,5 % gestiegen.
Die Spanne der Erzeugerpreise liegt bei den Baden-Württembergischen Molkereien zwischen 34 ct/kg und 40,08 ct/kg. Alle Molkereien
konnte den Preis vom Vormonat halten oder sogar leicht anheben.
In den vergangenen beiden Monaten zeigte sich der Milchmarkt insgesamt in stabiler Verfassung. Die Milchanlieferung lag, mit einer kurzen
hitzebedingten Unterbrechung, weit über dem Vorjahresniveau. Momentan scheint es so, als ob wir in eine stabile Sommerzeit gelangen.
Die Milchspitze scheint überwunden. Saisonüblich sinkt die Milchmenge in den Sommermonaten ab, was sie derzeit auch im geringen
Ausmaß tut. Das Marktgeschehen ist auch aufgrund der Ferienzeit ruhig. Weltweit dürfte sich die Milchmenge, durch steigende
Produktionskosten und geringe Erlöse, verringern. Auch die fehlende Futtergrundlage könnte sich auf die Kuhbestände
auswirken.
Das Bio-Milchaufkommen in Deutschland ist in den ersten fünf Monaten 2026 weiter gestiegen. Im April
lieferten die Erzeuger 7,5 % mehr Bio-Milch an milchwirtschaftliche Unternehmen im Land als im entsprechenden Vorjahresmonat. Allerdings
wird das derzeit hohe Angebot auch von der anhaltend steigenden Nachfrage der privaten Haushalte nach Bio-Milch und vor allem nach
Bio-Milchprodukten wie Käse, Quark und Milchgetränken relativ gut aufgenommen.
Der Auszahlungspreis für Bio-Milch ist auch im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat im bundesweiten
Mittel wieder leicht zurückgegangen (0,3 ct/kg) und lag nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
(BLE) bei 64,31 ct/kg, In Baden-Württemberg lag er mit 64,29 ct/kg Milch leicht darunter. Viele Molkereien haben ihren
Auszahlungspreis im Mai bereits konstant gehalten und für Juni wird mit einem sich stabilisierenden Auszahlungspreis gerechnet. Auch
die ab Sommer zu erwartenden saisonal rückläufigen Milchmengen dürften etwas Druck aus dem Markt nehmen und sich positiv auf
die Entwicklung der Erzeugerpreise auswirken. Bleibt auch die Nachfrage der der privaten Haushalte nach Bio-Milch und Bio-Molkereiprodukten
hoch, dürfte sich der Bio-Milchmarkt im weiteren Jahresverlauf auf einem gefestigten Niveau stabilisieren.