Beim Getreide wird nach der aktuellen Septemberschätzung des USDA eine geringere Erzeugung als im Vorjahr erwartet. Ausschlaggebend
sind hier nicht nur eine leicht gesunkene Anbaufläche sondern vor allem geringere Flächenerträge. Damit wird aktuelle ein
globaler Bestandsabbau beim Getreide von ca. 32 Mio. t erwartet. Im Vorjahresvergleich zeigt sich sowohl beim Weizen als auch beim Mais
nicht nur ein geringerer Anbauumfang und ein geringerer Flächenertrag, bei der Gerste hingegen stieg der Anbauumfang global. Somit
wird nur bei der Gerste eine positive Bestandsveränderung erwartet. Nachdem im Vorjahr die USA am meisten Getreide erzeugt hatte wird
in 26/27 bisher erwartet das China am meisten Getreide erzeugen wird. Mit Abstand größter Exporteur soll nach den aktuellen
Schätzungen der USDA die USA jedoch bleiben. Für die EU wird wie zu erwarten war, eine geringere Erzeugung vorhergesagt, die
EU-Kommission geht dabei von einer rund 11 % geringeren Getreideproduktion als im Vorjahr aus. Ausschlaggebend ist hier insbesondere der
durchschnittliche Flächenertrag welcher ca. 400 kg/ha geringer ist als 25/26.
Die zunächst hohen Erwartungen an die diesjährige Ernte wurden durch die außergewöhnliche Hitze und die vielerorts
ausbleibenden Niederschläge inzwischen deutlich gedämpft. Vor allem bei später abreifenden Kulturen führte die
verkürzte Kornfüllungsphase teilweise zu Notreife, geringeren Kornzahlen und kleineren Körnern. Entsprechend fallen die
Erträge und Qualitäten regional sehr unterschiedlich aus.
Für Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband seine Ernteprognose im August erneut nach unten korrigiert. Die Weizenernte wird
aktuell auf 20,55 Mio. t geschätzt und dürfte damit rund 11,2 % unter dem Vorjahresergebnis liegen. Gegenüber der
Juni-Prognose wurde die erwartete Erntemenge um rund 1 Mio. t reduziert. Auch bei der Gerste haben sich die Aussichten leicht
verschlechtert. Für Wintergerste werden nun 9,32 Mio. t erwartet, während die Sommergerstenernte sogar rund 23,6 % unter dem
Vorjahresniveau bleiben dürfte. Damit hat der DRV die Erzeugung bei der Sommergerste nochmals um ca. 4 % herabgestuft. Die
Wintergerste war zum Zeitpunkt der ausgeprägten Hitze allerdings bereits weiterentwickelt, sodass die bisherigen Erträge und
Qualitäten vielfach noch zufriedenstellend bis gut ausfallen.
Auch beim Mais haben sich die Ertragserwartungen spürbar eingetrübt. Der DRV rechnet derzeit mit einer deutschen
Körnermaisernte von 4,24 Mio. t und damit rund 14,2 % weniger als im Vorjahr. Besonders in Südwestdeutschland zeigen sich die
Bestände äußerst heterogen. Während tiefgründige und ausreichend mit Wasser versorgte Flächen teilweise noch
zufriedenstellend sind, weisen andere Standorte bereits deutliche Trockenschäden auf. Besonders schwache Bestände
enttäuschen bei den ersten Druschergebnissen. Momentan wird auch davon ausgegangen, dass ein Teil des geplanten Körnermaises zu
Silomais gehäckselt wurde.
In Baden-Württemberg zeigt sich aktuell ein uneinheitliches Bild. In manchen Regionen hat die Trockenheit deutliche Spuren
hinterlassen. Nach der abgeschlossenen Ernte 2026 steht auf den Betrieben derzeit die neue Aussaat an. Aufgrund der Trockenheit sind
besonders die Bodenbearbeitung und der Feldaufgang erschwert. Winterraps hat mancherorts schwer mit der Trockenheit und dem dadurch
bedingten Schwierigkeiten zu kämpfen. Abzuwarten bleibt ob und in welchem Umfang Niederschlag während und nach der Aussaat zu
erwarten sind. Für einen ordentlichen Feldaufgang wäre Niederschlag bitter nötig.
Auf dem internationalen Markt bestimmen aktuell nicht die Erzeugung und die Nachfrage, aktuell richtet sich der Blick auf die
Verfügbarkeit, wie bereits vor den letzten Getreideabkommen im Ukrainekrieg behindern kämpfe den Seeweg durch das Asowsche- und
Schwarze Meer. Mittlerweile schlägt sich dies auf der Exportbilanz von Russland deutlich nieder. Andere Exportwege wie z. B. an der
Ostsee können dies wie auch in der Vergangenheit keinesfalls kompensieren, und es wird mit steigenden Endbeständen in Russland
und der Ukraine gerechnet. Insbesondere der Körnermaisexport der Ukraine ist dabei betroffen. Mais gehört zu den am meisten
exportierten Getreide und ist derzeit auch aufgrund der schlechten Ernte in der EU gefragt. Getreide aus der Schwarzmeerregion war in den
letzten Jahren aber auch nach Nordafrika exportiert worden, da russischer Weizen Berichten zu Folge oftmals preisführend war.
Teilweise wird dadurch von einer Belebung von Getreide Exporten aus den EU-Staaten berichtet. Die geopolitischen Entwicklungen haben sich
damit nicht nur auf die Börsen niedergeschlagen auch am physischen Markt sind die Getreidepreise leicht gestiegen.
Die Bio-Getreideernte in Baden-Württemberg erzielte bei den Winterungen leicht und bei den Sommerungen unterdurchschnittliche
Erträge. Die Qualitäten im Bio-Speisebereich sind jedoch gut mit höheren Protein- und Klebergehalten als im Vorjahr. Bei
Bio-Roggen tritt aufgrund der Trockenheit dieses Jahr verstärkt Mutterkorn auf, aber er zeichnet sich auch durch hohe Fallzahlen aus.
Die Bio-Haferernte fiel 2026 sehr unterdurchschnittlich aus und die Hektorlitergewichte liegen größtenteils unter 50 kg/hl, was
die Verarbeitung in der Schälmühle erschwert oder unmöglich macht.