Schweinepreise in Baden-Württemberg

Preisverfall bringt Schweine- und Ferkelerzeuger an ihre wirtschaftlichen Grenzen

Am deutschen Schlachtschweinemarkt hat sich die Lage in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Zwar ist das Angebot an schlachtreifen Schweinen infolge der Hitzeperiode zuletzt etwas geringer ausgefallen und auch die durchschnittlichen Schlachtgewichte sind zurückgegangen, dennoch bleibt die Vermarktung schwierig. Ausschlaggebend hierfür ist nicht der Lebendmarkt, sondern die anhaltend schwache Nachfrage nach Schweinefleisch. Schlachtunternehmen berichten bei weiterhin hohen Schlachtzahlen von gut gefüllten Kühl- und Gefrierlagern, da sich das Fleisch weiterhin nur schleppend vermarkten lässt. Vor diesem Hintergrund wurde die VEZG-Preisempfehlung um 10 Cent auf 1,40 €/kg Schlachtgewicht reduziert. Führende Schlachtunternehmen hatten sogar eine Preisreduzierung um 20 Cent gefordert. Weitere Preisrückgänge können nicht ausgeschlossen werden, wenn nach Ende der Hitzeperiode wieder mehr schlachtreife Schweine auf den Markt kommen.
Die erhofften Nachfrageimpulse durch Sommer, Grillsaison und die Fußball-Weltmeisterschaft sind in diesem Jahr vollständig ausgeblieben. Gleichzeitig besteht europaweit ein Überangebot an Schweinefleisch. Besonders Spanien kann aufgrund der eingeschränkten Exportmöglichkeiten nach China und in die USA deutlich größere Mengen nicht mehr auf den Weltmarkt absetzen. Ein Großteil dieser Mengen verbleibt innerhalb Europas und gelangt unter anderem nach Polen. Dadurch nimmt Polen weniger Schweinefleisch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern auf, was den Vermarktungsdruck europaweit erhöht. Direkt auf den deutschen Frischfleischmarkt gelangt spanisches Schweinefleisch aufgrund der QS-Anforderungen zwar nur begrenzt, indirekt wirkt sich die Marktverschiebung jedoch deutlich auf die Preisentwicklung aus.
Für die kommenden Wochen rechnen Marktteilnehmer aufgrund der hitzebedingt geringeren Tageszunahmen zwar mit einer vorübergehend etwas höheren Nachfrage nach Schlachtschweinen. Eine nachhaltige Marktbelebung wird daraus jedoch nicht erwartet. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern dürfte sich die schwierige Situation am Schlachtschweinemarkt in den kommenden sechs Monaten nicht grundlegend verbessern.
Auch am Ferkelmarkt hat sich die Lage deutlich eingetrübt. Die Nachfrage der Mäster ist infolge der angespannten Situation am Schlachtschweinemarkt erheblich zurückgegangen. Viele Betriebe stallen nur noch zögerlich ein oder verschieben die Einstallung neuer Tiere. Gleichzeitig wird das Angebot an Ferkeln inzwischen als deutlich zu groß eingeschätzt. Preisgünstige Angebote aus dem europäischen Ausland verstärken den Wettbewerbsdruck zusätzlich.
Die VEZG senkte ihre Ferkelnotierung innerhalb kurzer Zeit deutlich auf 30,00 €/25 kg Ferkel. Auch in Baden-Württemberg kam es zu erheblichen Preisrückgängen. Nachdem die Notierung in der Vorwoche bereits auf 41,00 €/25 kg Ferkel gesunken war und am Freitag mit 40,30 €/25 kg Ferkel bestätigt wurde, fiel sie in der aktuellen Kalenderwoche 29 nochmals um 7,00 € auf 33,30 €/25 kg Ferkel.
Die wirtschaftliche Situation vieler Ferkelerzeuger verschlechtert sich damit weiter. Die aktuellen Erlöse reichen bei weitem nicht aus, um die gestiegenen Produktionskosten zu decken. Gleichzeitig berichten Marktteilnehmer von einer deutlich rückläufigen Nachfrage nach Jungsauen. Dies wird als Hinweis darauf gewertet, dass zahlreiche Betriebe ihre Bestände nicht mehr gleichermaßen remontieren oder bereits erste Schritte zum Ausstieg aus der Ferkelerzeugung einleiten.
Mittelfristig besteht dennoch ein Hoffnungsschimmer. Die angekündigte Reduzierung der dänischen Ferkelproduktion und der Exporte könnte die Wettbewerbsposition heimischer Ferkelerzeuger künftig stärken. Spürbare Auswirkungen werden jedoch erst in den kommenden Jahren erwartet. Kurzfristig rechnen Marktbeobachter weder am Schlachtschweine- noch am Ferkelmarkt mit einer nachhaltigen Verbesserung der Erlössituation. Entscheidend wird sein, wie viele Betriebe die aktuelle Durststrecke wirtschaftlich überstehen und ihre Produktion fortführen können und wollen.

© Moritz Bühler, LEL Schwäbisch Gmünd

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