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Grundsätze des natuschutzfachlichen Erhalts von Grünland


Unserer heutigen Grünlandbestände sind das Ergebnis einer sich über Jahrhunderte immer wieder ändernden Bewirtschaftung, sowohl was die Bewirtschaftungsintensität als auch die Bewirtschaftungsform angeht.

Bewirtschaftung von Grünlandbeständen:

Zielstellung:
Bevor eine Entscheidung darüber getroffen wird, wie ein Grünlandbestand weiterhin bewirtschaftet oder gepflegt wird, sollte man sich über die langfristige Zielstellung seiner Entwicklung im Klaren sein. Strebt man z. B. den Erhalt oder die Entstehung einer bestimmten Grünlandgesellschaft an oder soll die Fläche lediglich möglichst kostengünstig offen gehalten werden? Wird das Grünland aus wirtschaftlichen Interessen heraus bewirtschaftet oder/und stehen Naturschutzziele im Vordergrund?

Art der Bewirtschaftung:
Ob Grünlandbestände vorzugsweise gemäht, gemulcht oder beweidet werden sollten, orientiert sich sowohl an der Zielstellung als auch an den gegebenen Bewirtschaftungsmöglichkeiten. So sollten z. B. für eine Beweidung geeignete Herden und für eine maschinelle Pflege geeignete Maschinen zur Verfügung stehen. Auch die Verwertungsmöglichkeiten des Schnittguts spielen eine Rolle.

Ein intakter Grünlandbestand kann i. d. R. am besten durch diejenige Bewirtschaftungsform oder –formen erhalten werden, durch die er entstanden ist und seither erhalten wurde. Änderungen des Grünlandmanagements können sich jedoch aus verschiedenen Gründen ergeben, z. B. der aktuelle Grünlandbestand soll in eine andere Grünlandgesellschaft überführt werden oder eine sinnvolle Verwertung des Mähguts ist nicht gegeben.

Management-übergreifende Empfehlungen:

Steht nicht (allein) die Offenhaltung der Landschaft im Vordergrund, sondern sollen auch Standorts- und Artenvielfalt gefördert werden, so bietet sich ein eng verzahntes Nebeneinander verschiedener Nutzungsformen an. Das Spektrum reicht hier von freier Sukzession bis zu sehr intensiver Nutzung. Zum Beispiel können kleinere Gehölzbestände inselartig mit verschieden häufig gemulchten und/oder gemähten Flächen umgeben werden, die sich streifen- oder fleckenartig darum arrangieren. Ebenso können angrenzende Weideflächen mit integriert werden. Gerade Säume im Übergang zu gehölzbestandenen Flächen haben einen hohen naturschutzfachlichen Wert.

Neben den Pflanzenarten der Flächen können auch Kryptogamen- und Tierarten naturschutzfachlich relevant sein. Gerade bei nicht flugfähigen sowie bei in der Krautschicht lebenden Tieren kann die maschinelle Flächenpflege zu hohen Individuenverlusten führen. Daher kann es günstig sein, pro Arbeitsgang nur relativ kleine Flächen zu bearbeiten. Aus faunistischer Sicht sind die beiden folgenden Methoden einer großflächigen Arbeitsweise eindeutig vorzuziehen: die Bearbeitung schmaler, aber beliebig langer und gerader Streifen; oder die Flächenbearbeitung von innen nach außen. Diese beiden Herangehensweise helfen den Tieren, zur Seite bzw. nach außen hin fliehen zu können. Bei der Anwendung schmaler Streifen ist zusätzlich auch die Wiederbesiedlung von den angrenzenden Streifen her vereinfacht.

Problematisch für die Artenvielfalt können Bestände stark- und hochwüchsiger Arten sein, so z. B. von Adlerfarn (Pteridium aquilinum), Goldruten (Solidago spec.) oder Stauden-Knöterichen (Reynoutria spec., Fallopia spec.). Durch die Bildung monodominanter, strukturarmer Bestände werden die meisten Gefäßpflanzen-, Kryptogamen- und Tierarten verdrängt. Ähnlich verhält es sich bei den dichten Gestrüppen, die von Schlehe (Prunus spinosa), Liguster (Ligustrum vulgare) und weiteren Gehölzen gebildet werden. Derartige Bestände sollten schon frühzeitig bekämpft oder zurückgedrängt werden; dabei brauchen die genannten (sowie entsprechende) Arten gar nicht völlig entfernt werden, sollten aber im Sinne der Artenvielfalt deutlich eingeschränkt werden, indem man sie z. B. nur randlich belässt. Unter Umständen können hierbei auch Maßnahmen wie etwa Wurzelstock-Rodung, der Einsatz von Forstmulchern u. ä. nötig sein.

Zahlreiche Arten lassen nur einen schwachen bis nahezu keinen Unterschied hinsichtlich ihres Vorkommens bei verschiedenen Management-Methoden erkennen; so lange ein kontinuierlich ausreichend angewendetes Management erfolgt, ist für diese Arten die Art der Flächenpflege nur von geringer Bedeutung. Andere Arten dagegen sind angewiesen auf bestimmte Management-Formen, phänologische Perioden und/oder strukturreiche Habitate. Hier ist es dann von großer Bedeutung, die Pflege hinsichtlich Durchführungsart (z. B. Beweidung bei nicht schnitttoleranten Arten) und -zeit (z. B. Abwarten der Samenreife oder des Schlüpftermins) auf diese Arten abzustimmen, geeignete Keimnischen zu schaffen (z. B. Öffnung der Grasnarbe) usw. Welche Anpassungen nötig sind, hängt entsprechend von den Zielarten ab und muss im Einzelfall festgelegt werden.


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