Schlachtpreise für Rinder in Baden-Württemberg

Schlachtrindermarkt – zwischen Saisonalität und Stabilisierung

Der Schlachtrindermarkt zeigt sich nach Ostern insgesamt uneinheitlich und zuletzt schwächer. Während sich Angebot und Nachfrage regional unterschiedlich darstellen, hat sich die Marktlage insbesondere im Bereich der Jungbullen deutlich eingetrübt. Die Nachfrage fällt Mitte April nochmals ruhiger aus als in den Vorwochen, wodurch der Preisdruck insgesamt zunimmt.
Im Handel mit Jungbullen gehen die Einschätzungen derzeit auseinander. Einerseits wird von knappen Stückzahlen berichtet, da die Ablieferungsbereitschaft im Zuge anstehender Feldarbeiten begrenzt ist. Andererseits stehen diesen Meldungen Regionen mit einem wieder umfangreicheren Angebot gegenüber. Insbesondere aus dem Süden werden steigende Stückzahlen sowie höhere Schlachtgewichte gemeldet. Gleichzeitig gestaltet sich die Vermarktung zunehmend schwierig, da sich die aktuellen Preisniveaus im Fleischgeschäft vielfach nicht durchsetzen lassen. Der Absatz stockt nahezu bundesweit, lediglich Tiere aus höheren Haltungsformen lassen sich stetiger vermarkten. Vor diesem Hintergrund wurde die Preisempfehlung für Jungbullen zuletzt deutlich gesenkt. In der KW 15 lagen im Südwesten die Jungbullenpreise bei 6,84 €/kg SG (E-P).
Ausgeglichener präsentiert sich dagegen der Markt für Schlachtkühe. Die vorhandenen Stückzahlen werden überwiegend als überschaubar beschrieben und lassen sich in der Regel gut absetzen. Auch wenn regional vereinzelt von Überhängen berichtet wird, bleibt die Nachfrage insgesamt stetig. Der Preisdruck hält sich hier in engen Grenzen, sodass die Preisempfehlungen bislang unverändert geblieben sind. In der KW 15 wurden im Südwesten Schlachtkühe mit 5,98 €/kg SG (E-P) gehandelt, Färsen erzielten 6,59 €/kg SG (E-P).
Im Rindfleischhandel hat sich das Kaufinteresse nach den Osterfeiertagen spürbar abgeschwächt. Insgesamt verlaufen die Geschäfte verhaltener, größere Impulse bleiben aus. Die Nachfrage konzentriert sich derzeit stärker auf Steaks und Kurzbratartikel, während klassische Keulenteile weniger Beachtung finden. Auch Hackfleisch, üblicherweise ein stabiler Absatzträger, wird aktuell schwächer nachgefragt. Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Gastronomie bleiben die Bestellmengen unterdurchschnittlich, zudem werden nur wenige Werbeaktionen durchgeführt.
Der Kälbermarkt gerät zunehmend unter Druck. Die Erzeugerpreise für schwarzbunte Kälber geben flächendeckend nach. Während qualitativ hochwertige Tiere ihr Preisniveau teilweise noch behaupten können, sind insbesondere bei milchbetonten Kälbern deutliche Abschläge erforderlich. Der zuvor stabile bis feste Trend am Fleckviehmarkt ist damit gestoppt. Trotz vollständiger Vermarktung des Angebots bleibt die Nachfrage seitens der Mäster zurückhaltend, sodass auch in den kommenden Wochen mit weiter sinkenden Preisen gerechnet wird.
Insgesamt steht der Schlachtrindermarkt derzeit unterzunehmendem Druck. Während sich der Schlachtkuhmarkt noch vergleichsweise stabil zeigt, belasten insbesondere die schwache Fleischnachfrage und das wieder steigende Angebot im Jungbullenbereich die Marktentwicklung. Für die kommenden Wochen ist vorerst nicht mit einer spürbaren Belebung zu rechnen.
Abschließend ist festzuhalten, dass die aktuell zu beobachtende Preisschwäche durchaus im Rahmen der üblichen saisonalen Entwicklung liegt, wie sie vor dem Jahr 2024 regelmäßig zu beobachten war: Während im Frühjahr mit Beginn der Grillsaison das Interesse verstärkt in Richtung Schweinefleisch tendiert und die Rindfleischpreise entsprechend unter Druck geraten, kehrt sich diese Entwicklung im Herbst in der Regel wieder um. In den vergangenen zwei Jahren waren derartige Schwankungen aufgrund der weltweit knappen Rinderbestände kaum ausgeprägt, vielmehr kannten die Preise weitgehend nur eine Aufwärtsrichtung. Mit der inzwischen eingetretenen Marktentspannung kehren nun wieder saisonale Bewegungen zurück, sodass die aktuelle Entwicklung als marktüblich einzustufen ist, auch wenn sie von Marktteilnehmern zuletzt so nicht mehr gewohnt war.

©Moritz Bühler,  LEL Schwäbisch Gmünd
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