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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 7

Allgemeine Situation:

Bei temperatur- und niederschlagsmäßig sehr wechselhafter und eher kühler Witterung kam die Rebenentwicklung in den vergangenen 7 Tagen nur schleppend voran. In vielen Lagen sieht man bei den Burgundersorten das 4 – 6 Blatt-Stadium, in den früheren Lagen sind 6-8 Blätter entfaltet. Auch der Gutedel ist etwas weiter. Wie knapp wir tatsächlich an einem flächendeckenden Frostschaden vorbeigeschrammt sind, lässt sich an den „verbrannten“ Blatträndern gut sehen. Fast überall sind zumeist die unteren Blätter von außen her etwas beschädigt, der Trieb an sich ist jedoch weiterhin vital. Sofern die Wettervorhersage recht behält, wird es ab Mitte der Woche für eine längere Zeit freundlicher, mit Temperaturen bis zu 25°C. Im April wurden an den Messstadtionen folgende Niederschlagsmengen gemessen: Fischingen: 60mm, Blansingen: 60mm, Liel: 55mm, Müllheim: 50mm, Zunsingen: 67mm, Heitersheim: 60mm, Ehrenkirchen: 76mm, Freiburg WBI: 81mm. Der Boden ist weiterhin bis in die tieferen Schichten gut durchfeuchtet, wodurch sich optimale Wachstumsbedingungen ergeben, sollten die Temperaturen, wie angekündigt, über einen längeren Zeitraum warm bleiben. 

Rebschutzsituation

Laut Vitimeteo fand am 27.04. im Markgräflerland fast flächendeckend die erste leichte Primärinfektion statt. Mit dem Auslaufen der Inkubationszeit am 06.05. können somit, theoretisch, in den kommenden Tagen die ersten Ölflecken gefunden werden. Falls dies der Fall sein sollte, melden Sie mir bitte die Funde. Da wir dieses Jahr frühzeitig mit den Pflanzenschutzmaßnahmen angefangen haben, sollten Ölflecken jedoch nur in Ausnahmefällen auftreten. Weitere, stärkere Infektionen werden am 05. und 06. 05 angezeigt. Diese Infektionen wurden ebenfalls von der Pflanzenschutzmaßnahmen Anfang letzter Woche abgefangen. Durch die niedrigen Temperaturen seit Mitte April ist das Oidium-Risiko als gering einzustufen. Sollten die Temperaturen steigen, ändert sich dies natürlich. 

Da für die zweite Wochenhälfte keine Niederschläge gemeldet sind und das Wachstum nur moderat voranschreitet, kann der nächste Pflanzenschutztermin auf das Wochenende bzw. auf Anfang nächster Woche gezogen werden. Sollten sich größere Niederschlagsmengen abzeichnen, ist es am sichersten vor dem Regen zu applizieren. Bitte beachten Sie auch die Windstärke, welche entscheidend für die Qualität der Applikation ist. 

Mittelempfehlung:  

Gegen Peronospora können Kontaktmittel eingesetzt werden, wie z.B. Folpan 80 WDG (0,6 kg/ha), Folpan 500 SC (0,9 l/ha), oder Delan WG (0,3 kg/ha). Polyram WG (1,2kg/ha) kann nur eingesetzt werden, wenn die strengen Anwendungsbestimmungen bezüglich der Nachfolgearbeiten (SF278-VEWE) eingehalten werden. Bitte Reste aufbrauchen. Um den Neuzuwachs besser zu schützen wird der Zusatz von Phosphonaten wie z.B. Veriphos, Foshield, (jeweils 1,5 l/ha) oder Frutogard (2,25 l/ha) zur Spritzbrühe empfohlen. Werden andere Produkte eingesetzt, sind die entsprechenden Aufwandmengen zu beachten. Alternativ können auch die Kombinationsmittel Delan Pro (1,8l/ha), oder Profiler (1,13 kg/ha) eingesetzt werden. Bitte beachten Sie beim Profiler die Mischreihenfolge (siehe Beipackzettel).  

Gegen Oidium ist der Spritzbrühe Netzschwefel (3,6 kg/ha) zuzusetzen.

In den letztjährigen Oidium Befallsanlagen, aber nur dort, wird der Zusatz eines organischen Mehltaumittels, z.B. Prosper Tec (0,5l/ha), Spirox (0,3l/ha), oder Talendo (0,15l/ha) dringend empfohlen. Die Kombination eines Multi-Site-Wirkstoffes (Netzschwefel, 3kg/ha) mit einem organischen Oidiumfungizid soll verhindern helfen, dass sich beim organischen Mittel Resistenzen entwickeln. Aktuell fehlen dazu allerdings noch ausreichend wissenschaftliche Beweise. Aus diesem Grund kann von Seiten der Beratung keine allgemeine Empfehlung für diesen Einsatz ausgesprochen werden.

Weinbauliche Maßnahmen 

Momentan laufen die Ausbrecharbeiten. Im optimalen Fall bleiben pro Stock 3 bis 5 Triebe am Kopf stehen, am Biegedraht werden sämtliche Doppeltriebe entfernt. Dies sorgt für eine luftige Laubwand und mindert automatisch den Pilzdruck in den Anlagen. 

Auch das Entfernen der Stammaustriebe steht momentan an. Neben den mechanischen Möglichkeiten von Hand und mittels Stammputzer, können die Bodentriebe chemisch, mittels Shark oder Quickdown (herbizide Abbrenner) abgespritzt werden. Bitte beachten Sie die Sortenvorgaben bei Shark (1,0l/ha) innerhalb sowie auch außerhalb von WSG & HSG (allen Burgundersorten, Chardonnay, Silvaner, MorioMuskat und Schwarzriesling). Bei Quickdown (0,4l/ha) plus Toil (1l/ha) die Sorten Riesling und Dornfelder.  Bitte achten Sie bei der Anwendung auf abdriftmindernde Arbeitsweise, Einsatz von Spritzschim und Injektordüsen. Die Trieblänge von ca. 10-15 cm ist der optimale Einsatztermin für das chemische Ausbrechen. 

Wichtig ist, dass bei zwei- oder dreijährigen Anlagen das Ausbrechen der Stammaustriebe nicht zu spät erfolgen sollte, sonst gibt es zu große Wunden, welche die Langlebigkeit des Stammes beeinträchtigen. 

Junganlagen: 

Viele Betriebe haben bereits ihre Neuanlagen gepflanzt. Besonders in Hanglagen mit direkter Angrenzung zu Wohngebieten sollte dringend eine bodendeckende Schicht Heu oder Stroh eingebracht werden, um stärkere Erosionen zu verhindern. Auch das Einsäen mit einfachen Mischungen wie Phacelia‑Buchweizen hat sich bewährt. Bei zu hoher Wasserkonkurrenz im Sommer wird diese gewalzt und sorgt somit ebenfalls für eine deckende Schicht. 

Sollten Sie den Zuschuss für Junganlagen beantragt haben, denken Sie bitte an die Flächenkorrektur nach der Pflanzung. Nur die tatsächlich bepflanzte Rebfläche wird gefördert. Bei einer Überbeantragung von >30% werden die Zuschüsse gekürzt. 

Die sicherste Methode zur Ermittlung der förderfähigen Fläche ist wie folgt:

Stockstandraum ermitteln: Stockabstand x Gassenbreite

Pflanzfläche ermitteln: Stockstandraum x Anzahl gepflanzte Reben

Die Förderung erfolgt flurstücksbezogen. Liegen mehrere Flurstücke nebeneinander, muss für jedes Flurstück die tatsächlich angepflanzte Fläche korrigiert werden. Im Zweifelsfall ist das Suchen der Grenzsteine die beste Wahl.  Die Förderung gibt es erst ab einer Gassenbreite von 1,80m. Bitte planen Sie immer ein paar Zentimeter Puffer ein, damit es zu keinen Ärgernissen kommt. 

Der späteste Abgabetermin für den GA ist der 15.05.2024. Bei Rückfragen hilft Ihnen die Hotline unter 0761-2187 5895. 

Mittelsituation: 

Im europäischen Verfahren über die erneute Genehmigung wurde kürzlich entschieden, dass die Genehmigung für Dimethomorph als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln nicht erneuert wird (EU-Kommissions-Durchführungsverordnung (EU) 2024/1207). 

Die EU-Mitgliedstaaten sind nun verpflichtet, die entsprechenden Produktzulassungen bis zum 20. November 2024 zu widerrufen. Die EU-Kommissions-Durchführungsverordnung legt ferner fest, dass Abverkaufs- und Aufbrauchfristen nach Zulassungsende, die die Mitgliedstaaten jeweils national festlegen, spätestens am 20. Mai 2025 enden.  Davon betroffen sind die Produkte Aktuan Gold, Forum, Forum Gold, Forum Star, METOMOR F, Orvego und VinoStar. 

Das bedeutet, diese Produkte sollten allesamt in dieser Saison aufgebraucht werden. 

Sonstiges:

Die Sammelaktion PAMIRA startet ab dem 16.05.2024. Sammelstellen und Termine für PAMIRA 2024 finden Sie unter www.pamira.de

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 16.05.

gez. Mattmüller

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